20. Juni - 1. August 2009

kuratiert von Nicola Graef

in Kooperation mit CUC Charim Ungar Contemporary Berlin

 

Rätselhafte Orte setzt die in Berlin lebende Künstlerin Alexandra Ranner um, in Gestalt von Modellen, Installationen, Fotos und Leuchtkästen. Die Atmosphären ihrer Räume befinden sich auf der Schwelle zwischen Verlassen und Ankommen. Es geht um das Archivieren von Geheimnissen, um mögliche dunkle Verbrechen oder obskure Obsessionen. Die Räume verbergen etwas Ungeahntes. Die Installationen der Künstlerin waren bislang unbetretbar und wie Raum-Kapseln oder stationäre Caravans aufgestellt. Nur von außen oder von einer Schauseite her einsehbar, wiesen sie dem Betrachter von vorneherein die Position dessen zu, der draußen ist und von dort aus in einen Innenraum schaut.

Das Wagnis, einen Raum von Alexandra Ranner zu betreten, wird nun mit ihrer Installation "Schlafzimmer II/08" möglich, die erstmals 2008/9 in der Ausstellung "Interieur/Exterieur - Wohnen in der Kunst" im Kunstmuseum Wolfsburg gezeigt wurde.

Ein Raum, fensterlos - nicht völlig dunkel, nicht völlig hell. Die Wände gestrichen, keine freundliche Farbe, leicht unheimlich, unsauber. Außerdem steht noch ein Fernseher an einer Wand. Der Ton ist aus. Der Betrachter blickt in ein Schlafzimmer und sucht. Er sucht sich selbst, in einem Spiegel. Er irrt sich. Der Betrachter ist nur mit sich, allein in einem Raum. Das Schlafzimmer ist eine unabhängige Welt, in der alles in diesem Zimmer Bedeutung sein kann, oder in der alles verschwindet, aufgesogen wird. Es gibt keine Lösung. Es gibt nur irgendwann die Ahnung: irgendwas stimmt nicht. Das Schlafzimmer ist kein Zimmer - es ist Atmosphäre, Suggestion, Projektion. Es ermöglicht das Wagnis viel zu sehen und das Risiko, nichts zu sehen.

Alexandra Ranners Arbeiten waren unter anderem bisher zu sehen auf der 49. Biennale in Venedig 2001, auf der ersten Yokohama Triennale, 2001, auf der "Outlook" International Art Exhibition in Athen 2003 und auf der Fraktale IV im Palast der Republik Berlin 2005. Ihr Diplom hat sie 1994 absolviert an der Akademie der Bildenden Künste in München. 

Nicola Graef