Lieber noch als meinen Augen trauen

3. Mai - 14. Juni 2008


Natalia Stachons Ausstellung in der Galerie Loock evoziert urbane Empfindungen. Zwar sucht man vergebens nach entsprechenden Abbildern städtischer Realität; der zurückgelegte Weg jedoch, die wechselnden Einblicke in Schluchten, auf Granitfelder und Plexiglasgebilde, all dies weckt auf widersprüchliche Weise Erinnerungen an jene Momente in einer fremden Stadt, in welchen der Reisende sich erstmals vorsichtig umblickt. Die Umgebung ist ihm unbekannt, und dennoch registriert sein Auge innerhalb kürzester Zeit vertraute Anhaltspunkte: Materialien, Perspektiven, Anordnungen, Proportionen. Stachon betreibt mit ihrer raumgreifenden Installation ein leises, aber irritierendes Spiel mit den Wirkungsweisen der Wahrnehmung. So initiieren ihre Arbeiten zwar für kurze Augenblicke die Versuchung, das Vorgefundene mit den im eigenen Erinnerungsspeicher abgelegten Bildern von Urbanität zu vergleichen. Gleichzeitig jedoch scheitern entsprechende Assoziationsversuche an der fragilen Beschaffenheit der ausgestellten Objekte und deren - aus statischer Sicht - riskanter räumlicher Positionierung.

Zeitweise erscheint es sogar vorstellbar, dass bei der geringsten Erschütterung die ineinander verschränkten Plexiglasobjekte zerbrechen, die scheinbar unverrückbare Formation von 170 Granitkacheln abrutschen, und sich auf diese Weise die gesamte räumliche Konstellation innerhalb weniger Sekunden verschieben koennte. Stachon erzeugt in ihrer Ausstellung Atmosphären der Erwartung und angespannten Aufmerksamkeit. Der Besucher ist Zeuge temporärer und gefährdeter Zustände, ein Beobachter von Skulpturen, Zeichnungen und Photographien, die den zweiten und dritten Blick herausfordern und eine Lust an der erfindenden Rekonstruktion.