Some Were Caught Up, and
Some Were Not

Eröffnung: 24. Februar 2017 | 19–21Uhr

25. Februar – 22. April 2017

 

Loock Galerie freut sich, die zweite Einzelausstellung des in New York lebenden Künstlers Jonathan VanDyke zu präsentieren. VanDyke zeigt drei sich überschneidende Serien, die die Möglichkeiten der Malerei ausloten; dabei bezieht er das Vokabular der gestischen Abstraktion, des Textildesigns, der Installation und der Fotografie  mit ein. Jede Serie erkundet den Prozess des Farbauftrags auf eine andere Weise und gelangt so zu drei unterschiedlichen, aber miteinander verwandten Darstellungen von Pigmenten. Die Ausstellung lässt an Brüche und Auflösung denken und hinterfragt dabei klassische Konzepte der Schönheit. 

Eine der drei Serien zeigt großformatige Arbeiten aus in unterschiedlichen Farben getränktem und mit Netzmustern bedruckten T-Shirt-Stoff. Die Netze, die sich in einer Illusion von Dreidimensionalität über die Arbeiten legen, sind durch ein Verfahren fragmentiert, in dem der bemalte T-Shirt-Stoff in hunderte Stücke zerschnitten und dann zu geometrischen Formen zusammengenäht wird. Das Netz, eines der ältesten Werkzeuge der Zivilisation – häufig in historischer und religiöser Malerei dargestellt – fungiert sowohl als Absperrung, als auch als ein Mittel, um Menschen oder Tiere zu „fangen“. Das haptische Netz ist gleichzeitig aber auch porös, weich und transparent. In Zeiten, in der die Debatte der Nationen über die Politik der Zugehörigkeit und Identität von verschiedenen Menschengruppen immer lauter wird, ist das Netz ein Symbol für die Komplexität von "Gefangen sein und gefangen werden". 

Einige dieser Gemälde sind auf hölzernen Lattenkonstruktionen installiert, die es dem Betrachter ermöglichen, beide Seiten der Bilder zu sehen. Die Rückseite eines jeden Werkes ist so reichhaltig wie die Vorderseite: Der T-Shirt-Stoff ist mit farbigen Leinen und auf Leinwand gedruckten Fotografien unterlegt. VanDyke nennt diese Bilder die „unterbewussten und inneren Wünsche der Gemälde selbst, die sich hinter dem Gesicht befinden, das sie der Welt präsentieren“. Sie erzählen dieselbe Geschichte wie die Oberflächen, aber wirken ihrer Andeutung oder Simulation von Körperlichkeit entgegen. Stattdessen zeugen sie von Begehren und Fetischen: Sie zeigen schlafende Männer, Strumpfwerbung, einen kleinen Jungen, der einen betäubten Bären berührt. 

Figuration und das abstrahierte Portrait sind die Themen der zweiten Serie. VanDyke produzierte seine Werke fünf Jahre in Zusammenarbeit mit zwei Tänzern. Sie experimentierten mit Körperbewegungen und Gesten, um Farbe auf die Leinwand zu bringen. Als diese Zusammenarbeit 2016 endete, wollte er ein Memento mori für ihr Fehlen schaffen. Diese Arbeiten sind auf Grundlage eines Gemäldes von Paul Klee (1932) entstanden. Sie sind aus geometrischen Formen geschnittenen Stoffes genäht und präsentieren ein miteinander verbundenes Paar abstrahierter Köpfe. Hier hat sich die unbehandelte Leinwand langsam mit der Farbe vollgesogen, was zu leuchtenden Farben und komplexen Farbtonabstufungen geführt hat. 

In der Galerie sind Schwarz-Weiß Aktfotografien von Männern installiert. Die Protagonisten interagieren in diesen mit Glasgefäßen, die mit Flüssigkeit gefüllt sind. Färbemittel und Pigmente schweben im Wasser und sind in dem Moment festgehalten, in dem sie sich vermischen. Die in den Fotografien dargestellten Männer betrachten diese langsame Integration. Diese Silbergelatineabzüge erinnern in ihrer Bildsprache an die Alchemie, die bei der Erfindung der Fotografie eine Rolle spielte. Sie entstehen während langer, langsamer Sessions zwischen Modell und Künstler. Die Digitalisierung der Telekommunikation, die ein unmittelbares Bild ermöglicht und die ungeduldige Erwartung des Nutzers schürt, ist diesen Fotografien als absichtlich mehrdeutige, von Intimität und direktem Austausch abhängigen Arbeiten gegenübergestellt.

 

Jonathan VanDyke studierte am Bard College, der Skowhegan School (New York) und war Stipendiat der Mid-Atlantic Arts Foundation und der Joan Mitchell Foundation. In den vergangenen Jahren war Jonathan VanDyke in Einzelausstellungen bei 1/9 unosunove (Rom), auf der Art Berlin Contemporary (Berlin), in der Four Boxes Galerie (Dänemark), sowie bei Scaramouche und Court Square Project Space (New York) zu sehen. Seine Performances wurden aufgefürht in: Storm King Art Center (New York),  Este Arte (Uruguay), The Power Plant (Toronto), Vox Populi (Philadelphia), The National Academy Museum und The Albright-Knox Art Gallery. Seine Arbeiten wurden im Art Forum, TimeOut New York, Modern Painters, Art Papers, The Philadelphia Inquirer, The Buffalo News, ArtSlant, White Hot, Drone Magazine und auf artforum.com besprochen. Momentan hat er einen Lehrauftrag an der University of the Arts (Philadelphia) und im Sotheby’s Institute (New York).