Broken Manual

11. Juni - 30. Juli 2011

“Da Du dies liest, nehme ich an, Du bist ein gebrochener Mann”, so fängt das Buch "Broken Manual" mit Fotografien von Alec Soth und dem Text von Lester B. Morrison an. “In einem Leben schleppst Du Dich täglich aus dem Bett heraus”, schreibt Morrison, “im anderen Leben TRÄUMST Du…die Essenz Deines Traumes ist die Sehnsucht nach dem ENTKOMMEN”.

Die Loock Galerie freut sich, ab dem 10. Juni 2011 die neue Serie "Broken Manual" von Alec Soth zu präsentieren. Für "Broken Manual" reist Soth tief in die versteckten Ecken amerikanischer Gesellschaft, um Männer zu portraitieren, die geflohen sind, sich verstecken oder den unterdrückenden Routinen des Lebens, der Zivilisation, Klassen und Verpflichtungen der Gesellschaft entkommen sind. Soth tritt in diese Welt der gebrochenen Männer hinein, als ob er selber ein gebrochener Wanderer wäre. Seinen fotografischen Objekten scheint es an jedweder Bescheidenheit zu fehlen, als ob sie sich ungestört von der Anwesenheit des Künstlers fühlten. Nur selten blicken sie in die Kamera, als sähen sie eine Plastiktüte, die vom Wind getragen wird. Wie in einem zerschmetterten Spiegel, der in die Welt der gebrochenen Männer geworfen wurde, reflektieren Soths planlos wirkenden Fotos die Missverstandenen in einer nicht aufeinander folgenden Erzählung: ein ausgemergelter Bus; Pilze; eine Pocket Pussy; ein Stapel von VHS Kassetten mit den Aufschriften „Alone in the Wilderness, WACO-Rules of Engagement, (und) Avoiding Armageddon”. Soths Kamera scheint völlig objektiv zu sein. Seine Fotografien versuchen lediglich, die Welt des Kaputten zu reproduzieren, jedoch niemals diese zu kritisieren. Ein wandernder Mönch in Schwarz, der durch die vertikale Wiederholung von blätterlosen Bäumen zwergenhaft wirkt und vom Wald verschluckt zu sein scheint. Ein nackter Mann mit auf dem Oberarm tätowierten Hackenkreuz ist umgeben von grüner Vegetation; in einem kleinen Teich stehend, ist er buchstäblich von der Landschaft eingeschwemmt. Diese Männer sind nicht in der Natur geboren oder von Wölfen großgezogen. Sie sind unentwirrbar mit der Gesellschaft verbunden, vor der sie auf der Flucht sind, was durch den schwarzen Gewand des Mönchs oder Hackenkreuzsymbol des nackten Mannes deutlich wird. Soth umrahmt diese Männer, als ob sie von ihrer natürlichen Umgebung eingehüllt sind, und isoliert sie von ihren gesellschaftlichen Recht und Unrecht, Unterschieden und Ähnlichkeiten. Somit umgibt er sie dauerhaft mit dem Habitat des Fliehens.

Mit seiner Serie Broken Manual erschafft Soth eine Welt ohne Abfahrts- oder Zielorte. Die Gründe für den Rückzug sind unterschiedlich und irrelevant. Gleich einem Sprung in die Leere erfasst diese Serie die ideologische Sensation, die man mit der Flucht assoziiert, irgendwo zwischen dem Sprung und Fall, hier und da, Aktion und Reaktion. Soth´s Welt des Broken "Manual" existiert in jenem Bruchteil der Zeit, bevor der Sekundenzeiger einrastet, ewig gleitend im stillen Zustand des Seins.

Anlässlich der Ausstellungseröffnung zeigt die Loock Galerie "Somewhere to Disappear", einen Film von Laure Flammarion und Arnaud Uyttenhove mit Alec Soth. Dieser Film begleitet Alec Soth bei der Arbeit an "Broken Manual". Soth reist durch Amerika auf der Suche nach Menschen, die aus der Gesellschaft ausgestiegen sind. Der Film wird am Freitag, dem 10. Juni, um 17.30 Uhr im Berliner Kino Arsenal gezeigt.